Liebe Patientinnen,
Ihre Gesundheit, eine vertrauensvolle Betreuung und verlässliche Vorsorge liegen uns seit jeher am Herzen. Umso wichtiger ist es uns, Sie rechtzeitig und ehrlich über grundlegende gesetzliche Veränderungen zu informieren, die unsere Praxis und die gesamte ambulante Versorgung in den kommenden Jahren spürbar treffen werden.
Ehrlich gesagt: Momentan stochern wir bei vielen Detailregelungen alle noch ein wenig im Nebel. Das gesamte finanzielle und versorgungstechnische Ausmaß wird sich erst im November verlässlich einschätzen lassen, wenn die konkreten Verteilungsmaßstäbe in den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) final diskutiert und beschlossen werden. Doch eines zeichnet sich bereits heute überdeutlich ab: Die Rahmenbedingungen werden sich drastisch verschlechtern.
Was ist der Hintergrund?
Der Gesetzgeber hat mit dem neuen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz drastische Einsparungen beschlossen. Im ambulanten Bereich bei niedergelassenen Praxen sollen bereits im nächsten Jahr rund 3 Milliarden Euro und ab dem Jahr 2030 sogar rund 5 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) beziffert die Folge so: Bundesweit werden künftig über 46 Millionen Behandlungsfälle nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert.
Man muss sich das krasse Missverhältnis in unserem System vor Augen führen: Über 90 % aller Behandlungsfälle werden in Deutschland im ambulanten Bereich in den Arztpraxen abschließend versorgt – aber gerade einmal 16 % der gesamten Krankenkassengelder fließen dorthin. Trotzdem setzt der Gesetzgeber den Rotstift überproportional bei den Niedergelassenen an.
Warum betrifft mich das als Patientin?
Aufgrund der geplanten gesetzlichen Änderungen werden Praxen weniger Termine anbieten können, es wird zu längeren Wartezeiten kommen und einige Praxen werden schließen müssen. Das spüren am Ende Sie als Patientinnen.
Eine Schwangerschaft verläuft nicht entlang von Finanzierungsgrenzen. Beschwerden oder auffällige Befunde lassen sich nicht auf später verschieben. Auch Krebsfrüherkennung, Impfprävention oder Verhütungsberatung brauchen Zeit, Verlässlichkeit und gut erreichbare Praxen.
Deshalb sind zusätzliche und kurzfristige Termine auch weiterhin unverzichtbar – genau diese werden durch die Politik jedoch massiv ausgebremst.
Warum führt das zu weniger Terminen und längeren Wartezeiten?
- Feste Obergrenzen statt freier Termine ab 2027: Bisher galt für viele wichtige Leistungen – wie etwa Früherkennungsuntersuchungen und die Krebsvorsorge –, dass diese unabhängig von der Patientinnenzahl von den Kassen verlässlich übernommen wurden.
Ab dem 1. Januar 2027 hebt die Politik dieses Prinzip auf und setzt eine strikte Mengenbegrenzung durch. Für jede Praxis wird künftig nur noch eine begrenzte Zahl an Untersuchungen bezahlt. Ist dieses Kontingent aufgebraucht, übernehmen die Krankenkassen die Behandlungskosten nicht mehr. Da Praxen laufende Kosten für Personal, Miete und moderne Medizintechnik dauerhaft decken müssen, um für ihre Patientinnen da sein zu können, bleibt ihnen keine andere Wahl: Die Zahl der Termine muss an die gesetzlichen Höchstgrenzen angepasst werden. - Notfall- und Akuttermine: Die Kassen streichen die Vergütung für kurzfristig vergebene Termine.. Die Folge: Offene Sprechstunden und schnelle Notfalltermine fallen fast überall weg.
- Steigende Kosten: Während Personal-, Praxis-, Energie- und Materialkosten kontinuierlich steigen, dürfen Praxen nach Vorgabe der Politik nur noch so viele Behandlungen durchführen, wie nach Kassenlage finanziert werden.
Was bedeutet das konkret für Sie ab 2027?
Um eine Praxis dauerhaft wirtschaftlich führen zu können, müssen Praxen ihr Angebot an die gesetzlichen Obergrenzen anpassen:
- Vorsorgeuntersuchungen: Routinetermine zur Krebsfrüherkennung und Vorsorge, die bisher flexibel vergeben werden konnten, unterliegen künftig festen Kontingenten. Hier wird es zu spürbar längeren Vorlauf- und Wartezeiten kommen. Kurzfristige Terminabsagen bzw. -verschiebungen in das nächste oder übernächste Quartal sind möglich.
- Schwangerschaftsbetreuung: Die Begleitung Ihrer Schwangerschaft bleibt für uns eine Herzensangelegenheit und hat höchste Priorität. Doch die politisch verordnete Terminknappheit trifft auch diesen Bereich: Weil die Krankenkassen ausführliche Gespräche und Notfalltermine kaum noch finanzieren, müssen wir Sprechstundenzeiten noch strenger einteilen. Für zusätzliche Beratung abseits der Routine bleibt dadurch leider oft viel weniger Zeit als wir Ihnen gerne schenken würden.
- Akutsprechstunden & Neupatientinnen: Schnelle Termine bei akuten Beschwerden werden schwieriger zu koordinieren sein; die Aufnahme neuer Patientinnen muss vielerorts weiter eingeschränkt werden.
Warum wird es bis 2030 noch schwieriger?
Die Sparmaßnahmen greifen stufenweise. Für die Jahre 2027 bis 2029 wird der finanzielle Rahmen schrittweise weiter verengt, bevor ab 2030 das volle Sparvolumen von 5 Milliarden Euro jährlich greift. Ohne ein politisches Umdenken wird sich der Mangel an bezahlten Behandlungskapazitäten in den Praxen bis 2030 kontinuierlich verschärfen.
Ihre Stimme zählt: Unterstützen Sie die Petition „Frauengesundheit sichern“
Das beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz gefährdet die Zukunft der frauenärztlichen Praxen und damit eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung für Frauen.
Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) hat deshalb die offizielle Petition „Frauengesundheit sichern“ beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages eingereicht. Diese wurde am 26.08.2026 unter der ID 202297 veröffentlicht.
So können Sie mitmachen (bis zum 07.10.2026):
- Online: Zur Mitzeichnung beim Deutschen Bundestag gelangen Sie hier: [JETZT UNTERZEICHNEN] (Link zur Petitions-ID 202297)
Vor Ort: Eine Unterstützung ist auch über die bei uns an der Anmeldung ausliegenden Mitzeichnungslisten möglich.
(Hinweis: Bitte unterstützen Sie die Petition entweder online oder auf der Liste – jede Stimme darf nur einmal gezählt werden.)
Unser Versprechen an Sie:
Wir bedauern diese Entwicklung zutiefst. Die Entscheidung für diese Einschnitte liegt nicht bei uns Ärzten, sondern ist das Resultat politischer Vorgaben. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen setzen wir uns weiterhin mit ganzer Kraft und Sorgfalt für Ihre medizinische Versorgung ein.
👉 Bitte unterstützen Sie uns, indem Sie Routine- und Vorsorgetermine künftig mit viel Vorlauf planen und Termine, die Sie nicht wahrnehmen können, so früh wie möglich absagen.
Danke für Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung!
Viele Grüße aus Radevormwald,
Ihr Praxisteam