Bioidentische Hormone
In der Hormonbehandlung hat in den letzten zwei Jahrzehnten ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Hormon ist nicht gleich Hormon.
Historische Studien, die vor Jahren für Verunsicherung sorgten, basierten überwiegend auf synthetischen Gestagenen und oralen Pferdeöstrogenen (CEE). Die moderne, leitliniengerechte Hormonersatztherapie (HRT) setzt heute auf körperidentische (bioidentische) Substanzen, die molekular exakt den körpereigenen Hormonen entsprechen.
Was bedeutet „bioidentisch“ wirklich?
- Identische Molekülstruktur: Die Wirkstoffe besitzen exakt denselben chemischen Aufbau wie die Hormone, die Ihr Körper selbst bildet (z. B. 17β-Estradiol, mikronisiertes Progesteron). Sie binden passgenau an die Zielrezeptoren und entfalten dort die physiologische Wirkung.
- Pflanzlicher Ursprung: Als Ausgangsstoff dient meist Diosgenin aus der Yamswurzel oder Soja, das im Labor in die naturidentischen Moleküle umgewandelt wird.
- Geprüfte Arzneimittelqualität: Wir nutzen vorrangig standardisierte, qualitätsgesicherte Fertigarzneimittel. Individuelle Rezepturen aus spezialisierten Apotheken ergänzen die Therapie dort, wo standardisierte Dosierungen (z. B. bei individuellem Testosteronbedarf) an ihre Grenzen stoßen.
Der Unterschied: Damals vs. Heute
Früher (Konventionelle HRT): Verwendung von künstlich veränderten Gestagenen und Pferde-Östrogenen (CEE) als Tablette. NACHTEIL: Leberbelastung, erhöhtes Risiko für Thrombosen und Herz-Kreislauf-Ereignisse.
Heute (Moderne bioidentische Therapie): Verwendung von molekular identischem 17β-Estradiol (als Gel/Spray über die Haut) und natürlichem mikronisiertem Progesteron (Kapsel). VORTEIL: Kein erhöhtes Thromboserisiko durch Umgehung der Leber, physiologische Rezeptorbindung und gezielte Dosierbarkeit.
Maßgeschneidert und sicher: Transdermal statt oral
In der modernen Therapie gilt der Grundsatz: So viel wie nötig, so wenig wie möglich – und über den sichersten Weg.
- Transdermale Östrogengabe (Gel, Spray, Pflaster): Das Estradiol gelangt direkt über die Haut in den Blutkreislauf. Die Leberpassage („First-Pass-Effekt“) entfällt. Dadurch bleibt das Risiko für Thrombosen oder Leberschäden im Vergleich zu herkömmlichen Tabletten neutral.
- Mikronisiertes Progesteron: Schützt bei Frauen mit Gebärmutter zuverlässig die Gebärmutterschleimhaut und besitzt beruhigende, schlaffördernde Eigenschaften – ohne die metabolischen Nachteile synthetischer Gestagene.
- Testosteron: Bei persistierender Erschöpfung, Libidoverlust oder Muskelabbau kann eine feindosierte Ergänzung sinnvoll sein.
Diagnostik & Verlaufskontrollen
Eine seriöse Hormontherapie beginnt immer mit einer ausführlichen Anamnese Ihrer Symptome und Risikofaktoren. Blutanalysen setzen wir gezielt ein, um Ausgangswerte zu erfassen und Organfunktionen zu überwachen. Die Dosiseinstellung erfolgt primär klinisch: Entscheidend ist, wie Sie sich fühlen. Regelmäßige Kontrollen sichern den Therapieerfolg nachhaltig.
Aktueller Beitrag: „Moderne Hormonersatztherapie: Warum alte Ängste überholt sind und was aktuelle Daten zeigen“
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Magazin-Interview: „Im Fokus: Hormontherapie in den Wechseljahren – Aufräumen mit den Mythen!“ (.pdf)
Ausführliches Interview im rga-Gesundheitsmagazin über die Bedeutung von Östrogen, Progesteron und Testosteron sowie zeitgemäße, individuelle Therapieansätze.
Experten-Interview: "Wechseljahre - und nun?" (.pdf)
Unser ausführliches Gespräch im Magazin „Generation+PLUS“ über typische Veränderungen, Mythen und Wege zu mehr Lebensqualität.
Praxis-Broschüre: „Wechseljahre - Ratgeber für Patientinnen"(.pdf)
Ein strukturierter Leitfaden mit vielen praktischen Antworten und Orientierungshilfen für Ihren Alltag zum direkten Herunterladen.